Was tut man gegen Stottern?

Jemand, den ich kenne, stottert ganz schön stark. Ich wollte ihm helfen, doch ich kann mich nicht in seine Lage hereinversetzen. Ich habe ihm gesagt, dass ich mal ein wenig forsche, und wenn ich etwas gefunden habe, rufe ich ihn an.

Antworten anderer Teilnehmer:

A: Du kannst dir deine Nachforschungen sparen. Jeder Sprachfehler ist auf eine persönliche Erfahrung zurückzuführen, meist ein traumatisches Erlebnis, eine miese oder auch eine extrem überfürsorgliche Erziehung. Das allerbeste und einzig wirksame ist eine persönliche Therapie, sowohl psychisch als auch logopädisch. Das muss dein Freund ganz persönlich mit einem Fachmann aufarbeiten, irgendwelche Tricks zu kopieren hilft überhaupt nicht.

B: Die Stotterei Deines Bekannten könnte auf falsche Atemtechnik zurückzuführen sein. Er muss mit Hilfe seines Bauches atmen, keine Lungenatmung. Denn, das kann jeder selber austesten, bei Aufregung und Angst stockt die Ausatmung bei der Lungenatmung. Er sollte zum Logopäden gehen und dort also die richtige Atemtechnik lernen.

C: Sehr häufig sind seelische Traumata (also schlechte Erlebnisse als Baby) daran schuld, dass jemand zu stottern beginnt. Das ist sehr einfach heraus zu finden durch eine Psychotherapie erstens, und zweitens hilft diese auch das Stottern in den Griff zu bekommen und oft gänzlich zum Verschwinden zu bringen. Google oder telefoniere ein bisschen herum, es gibt mit Sicherheit Therapeuten, die auf Stottern spezialisiert sind.

D: es gibt sicher Übungen die man auf Youtube finden kann. Stottern hat ja auch etwas mit der Atmung zu tun, und wichtig ist auch die Ursache des Stotterns. Oft sind das auch psychische Blockaden. Ein Logopäde ist in dem Fall fast genauso wichtig wie ein Ergotherapeut.

E: Ich kann so etwas auch nicht nachvollziehen, aber für Menschen, die stottern, ist das einfach wie eine Blockade. Wenn du ihn helfen möchtest mach mit ihm einen Termin beim Logopäden und begleite ihn dorthin. Er wird dankbar sein, aber selber kannst Du das Stottern niemals beheben.

Meine Antwort:

Es ist schon erstaunlich, was da an Ratschlägen zusammenkommt. Besonders beeindruckt hat mich der Hinweis von B: auf die „Lungenatmung“. Die Lunge ist nur für den sog. Gasaustausch (Sauerstoff gegen Kohlendioxyd) zuständig, der für das Sprechen keine Rolle spielt. Beim Sprechen ist nur der Luftfluss bei der Ausatmung zur Ton- bzw. Geräuscherzeugung erforderlich. Sprechatmung und Ruheatmung unterscheiden sich ganz grundsätzlich. Beides besteht in einer Kombination aus Brust- und Bauchatmung. Stottern hat seine Ursache wohl nie in einem fehlerhaften Atem, obwohl viele Stotterer beim Stottern absurde Atemreaktionen zeigen. Sie atmen falsch, weil und wenn sie stottern und stottern nicht, weil und wenn sie falsch atmen.

Ansonsten: Ja, es gibt Therapeuten, die auf Stottern spezialisiert sind, und Einzel- und Gruppentherapien mit stotternden Patienten durchführen. Dies sind meistens Logopädinnen oder Logopäden, aber auch andere Berufsgruppen betätigen sind in diesem Bereich. Zu einer Therapie bei einem dieser Therapeuten kann geraten werden. Eine sorgfältige Auswahl ist wichtig. Im Zweifel kann die Bundesvereinigung Stotterer-Selbsthilfe e.V. www.bvss.de Hinweise geben.

Zuletzt aktualisiert am 21.11.2012 von .

Zurück